Mit Pferden aufwachsen
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Wer unsere Reitanlage schon einmal besucht hat, dem kann es nicht verborgen geblieben sein: Jugendliche und Pferde verstehen sich gut.
Das dokumentieren auch die Zahlen der jugendlichen Mitglieder. Seit dem offiziellen Beginn der Jugendarbeit 1972 steigen sie unaufhörlich an. Waren es 1974 noch 65, erreichte die Zahl der Heranwachsenden 1980 mit 130 ein neues Hoch. Heute hat sich die Zahl der jugendlichen Mitglieder bei rund 90 eingependelt.
Parallel zu dieser Entwicklung verlief auch der Bestand der Schulpferde: 1972 schaffte der Verein unter dem Vorsitz von Heinz Montag die ersten vier eigenen Pferde an. 1989 waren neun (!) Schulpferde im Verein zu Hause, heute sind es wieder vier Pferde.
Bereits vor 1972 wurden mit Privatpferden Schulstunden für jugendliche und erwachsene Reiter ohne eigenes Pferd abgehalten.
Mit dem Einzug in die neue Reitsportanlage am Weidweg hatte sich einiges geändert: Die Ausbildung von Nachwuchs gewann zusehends an Bedeutung und stellt bis heute nicht nur eine Herausforderung, sondern vor allem eine Bereicherung für unseren Verein dar. Die Jugend von heute sichert den Fortbestand unseres Vereins, und es gilt, die künftige Generation auf diese Aufgabe bestmöglich vorzubereiten.
1974 wurde deshalb das Amt des Jugend- und Sportwarts ins Leben gerufen. Seit rund 26 Jahren wird damit gewährleistet, dass die Belange unseres Reiternachwuchses stets auf offene Ohren stoßen.
Mit der neuen Satzung 1994 wurde das Amt neu definiert. Die Aufgabenbereiche wurden etwas verändert. Der Sportwart wurde aus dem Titel entfernt, so dass sich der - von der Jugend Gewählte und der Jahreshauptversammlung lediglich Bestätigte - ganz auf die Nachwuchsarbeit konzentrieren kann.
Damals wie heute erfolgt diese Tätigkeit in enger Kooperation mit den Reitlehrern, die für die reiterliche Ausbildung Sorge tragen. Um dem Können jedes jugendlichen Reiters gerecht zu werden, sind die Schulstunden in verschiedene Schwierigkeitsstufen unterteilt. Für den Reitanfänger werden Longestunden durchgeführt, die es dem Neuling ermöglichen, sich angstfrei an das Pferd zu gewöhnen. An der Longe, einer langen Leine, läuft das große Tier im Kreis, um es dem Reiter zu erleichtern, den korrekten Sitz und die Hilfengebung, also die Verständigung zwischen Pferd und Reiter, zu erlernen. Beherrscht der Zögling diese Grundlagen, ist die nächste Stufe das Abteilungsreiten. Nun bewegen sich Reiter und Pferd in allen Gangarten nicht mehr an der Longe, sondern alleine in der Bahn. Ein geübter Reiter übernimmt die Tete (Spitze), die Anderen reiten hinterher. Der Reitlehrer gibt verschiedene Hufschlagfiguren (gedachte Linien) und die Gangart vor, um die reiterlichen Fähigkeiten seiner Schützlinge zu verfeinern und zu vertiefen. Sind alle Reiter sicher genug, wird auch einzeln geritten, so dass sich jeder sein eigenes Programm zusammenstellen kann; natürlich wird er dabei von seinem Reitlehrer unterstützt. Während der weiteren Ausbildung werden zusätzlich kleine Sprünge gemeistert und auch das Reiten im Gelände vermittelt. Wer möchte, kann jetzt eine „Führerschein-Prüfung“ ablegen, um den Reiterpass zu erlangen. Er bescheinigt dem Inhaber das sichere Reiten in Bahn und Gelände sowie Grundkenntnisse in Pferdehaltung, -pflege und -anatomie. Durch das jährlich stattfindende Jugend-Turnier der Kategorie C/B können die Jugendlichen dann auch erstmals ihre sportlichen Leistungen mit denen Anderer messen.
Neben aller reiterlichen Ausbildung kommt natürlich auch unser vierbeiniger Freund nicht zu kurz: Von Anfang an legen wir großen Wert auf den partnerschaftlichen Umgang mit dem Pferd, das vor und nach dem Reiten versorgt werden muss. Dabei erwerben die Jugendlichen nicht nur fachliche Kenntnisse rund um das Tier, sondern lernen, Verantwortung freudig zu übernehmen.
Schon seit die ersten Vereinspferde im Stall eintrafen, hat es sich bewährt, dass sich einige „Pflegemädchen und -jungen“ um die Tiere kümmern. Das fördert nicht nur das Wohlbefinden der Pferde, sondern auch den Gemeinschaftssinn der Jugendlichen. Die „Pfleger“ sind für „ihr“ Pferd verantwortlich; sie achten auf den Gesundheitszustand des anvertrauten Tiers, bemerken Verletzungen als Erste, sorgen für sauberes Sattelzeug, helfen beim Longenunterricht und erklären den anderen Schülern vor den Reitstunden das Putzen, Satteln und Trensen. Sie bringen die Pferde für einige Stunden auf die eigenen Schulpferdekoppeln oder gehen in der reitstundenfreien Zeit mit ihnen grasen. Dafür werden die Pfleger einmal in der Woche mit einer eigenen Reitstunde oder - sofern sie den Reiterpass besitzen - einem Ausritt belohnt.
Zurück zum Jugendwart: Dieser sorgt nun dafür, dass der Spaß rund ums Pferd nicht zu kurz kommt: Jeden Winter fahren wir im Schwarzwald Ski und wirken beim Faschingsumzug der Gemeinden Brühl und Ketsch mit.
Im Sommer organisieren wir Jugendpartys mit anschließender Zeltübernachtung auf unserer Anlage und unternehmen Ausflüge in die Freizeitparks der Umgebung. Aber auch in Sachen Pferd sind wir natürlich viel unterwegs: Traditionell fahren wir zur „Eurocheval“ nach Offenburg und zu Vorführungen anderer Reitweisen, die wir unserer Jugend nicht vorenthalten wollen. Ziele dieser Aktivitäten waren bereits das Reitinstitut von Egon Neindorff in Karlsruhe, das Friesengestüt Etscheid bei Neustadt/Wied, die Europameisterschaft der Springreiter in Mannheim, die Hengstparade in Marbach sowie Turniere im Westernreiten.
Außer diesen Vergnügungen ist der Reiter-Nachwuchs auch in das Vereinsleben eingebunden. Dazu gehört das Weihnachtsreiten, Mithilfe bei den zwei jährlich stattfindenden Turnieren, die Pflege der Anlage, verschiedene Arbeitseinsätze und vieles mehr.
Seit einigen Jahren wurde auch eine Tradition aus den Anfängen des Schulbetriebs wieder in das Lehr-Programm aufgenommen: Die Veranstaltung von Ferienreitkursen und Projekttagen. Diese kompakten Kurse ermöglichen den pferdebegeisterten Jugendlichen einige Tage Stallluft zu schnuppern. Dazu gehören natürlich die ersten Schritte zu Pferd, die Pflege der Tiere wie das Ausmisten der Box, das Füttern und ein Besuch des Schmieds. Die Teilnehmer selbst werden nach getaner „Arbeit“ im „Reiterstübchen“ verpflegt. Die Durchführung von Projekttagen erfolgt in Zusammenarbeit mit den Schulen. Bislang konnten wir Kindern und Jugendlichen der Friedrich-Liszt-Schule Mannheim, der Comenius-Schule Schwetzingen und des Regenbogen-Kindergartens Mannheim Spaß und Freude am Umgang mit den Pferden vermitteln.
Wir bieten den Jugendlichen durch unser Engagement eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung an, die nicht nur körperliches Training beinhaltet, sondern auch eine gesunde geistige und seelische Entwicklung fördert.
Fragen Sie doch mal jemanden, der hier „erwachsen“ geworden ist!
